janw.de - Unterwegs in Tschechien
 Děčín - Lovosice - Most - Ústí nad Labem 09.07.2016 
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UNIDO 753 719 (Umbau aus 753 331) + 753 716 (Umbau aus 753 082) in Děčín hl.n.

Děčín hl.n. - mal wieder und doch besonders: wenn ich mich nicht verzählt habe, ist dies nämlich die 50. Tschechien-Eisenbahntour. Zwei 753.7 von Unipetrol stehen am kleinen Hausbahnsteig. Die beiden gehören zur ersten Umbauserie von CZ LOKO und wurden mit einem Motor von Caterpillar ausgestattet. Interessanterweise hat man die Loks später nochmals umgebaut, da sie wieder die alten zweiteiligen Lütergitter haben (zwischenzeitlich dreiteilig) und auch alle Maschinenraumfenster wieder verglast sind (hiervon waren vier zu Lüftergittern umgestaltet).

Noch bis Ende 2007 fuhren an diesem Bahnsteig die Züge der damaligen KBS 132 nach Oldřichov u Duchcova über Telnice ab. Das besondere daran war, dass auf diese Strecke nicht direkt ausgefahren werden konnte, sondern die zuletzt eingesetzten Triebwagen der Baureihe 810 zuvor eine Sägefahrt durch den Güterbahnhof machen mussten.

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471 070 als R 685 "PETR GINZ" Děčín hl.n. - Praha Masarykovo n. in Děčín hl.n.

Die Inlandsschnellzüge in Richtung Praha werden seit 2014 am Wochenende mit Stadtelefanten, teilweise sogar in Doppeltraktion gefahren. Die dreiteiligen Gleichstromtriebwagen aus dem Hause Škoda erreichen wie die noch werktags mit der Baureihe 162 fahrenden lokbespannten Züge eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h. Mit dem 471 070 führt die Reise über Ústí nad Labem bis nach Lovosice, was etwa eine halbe Stunde dauert.

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KPKV M 240.0113 (820 113) als Os 18354 "STŘEDOHORSKÝ MOTORAČEK" Lovosice - Most in Lovosice, dahinter DB 189 003"

Hier steht schon das Fahrzeug für die nächste Etappe bereit: ein Triebwagen der Baureihe 820 vom Klub přátel kolejových vozidel (Klub der Eisenbahnfreunde) aus Brno.

Im Jahr 2016 kam Ústecký kraj auf die grandiose Idee, einige in den letzten Jahren eingestellte oder bis nur noch mit Nostalgiezügen befahrene Bahnlinien an den Wochenenden im Sommerhalbjahr wieder regelmäßig im Ausflugsverkehr befahren zu lassen und gleichzeitig als touristische Linien in den Verkehrsverbund Doprava Ústeckého Kraje (DÚK) zu integrieren. Hierzu gehören die Strecken T4 Most - Lovosice (ehemalige KBS 113, Abschnitt Čížkovice - Obrnice 2007 eingestellt), T5 Roudnice nad Labem - Straškov - Libochovice (KBS 095/096, Abschnitt Račiněves - Libochovice 2006 eingestellt), T6 Kadaň - Podbořany mit der Abzweigstrecke Vilémov u Kadaně - Kadaňský Rohozec (früher KBS 143, heute KBS 132, Abschnitt Kadaň předměstí - Kaštice seit 2006 ohne planmäßigen Verkehr) sowie die beiden Museumsbahnen T1 Česká Kamenice - Kamenický Šenov und T3 (Ústi nad Labem-Střekov -) Velké Březno - Zubrnice. Eingesetzt werden in diesem Jahr Triebwagen der Baureihen 801, 810, 820 und 831 verschiedener Eisenbahnverkehrsunternehmen. Aufgrund der Integration in den DÚK gilt auf diesen Strecken auch das in Deutschland erhältliche Elbe-Labe-Ticket.

Der auf der Linie T4 eingesetzte 820 ist dabei besonders interessant, da diese Baureihe bereits seit 2002 nicht mehr im regulären Einsatz ist. Die formschönen Tatra-Triebwagen aus den 1960er Jahren besitzen ein Leistung von etwa 280 PS und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Angetrieben ist nur ein Drehgestell. Es gibt auch passende Beiwagen (früher Baureihe 020), diese tragen heute die Bezeichnung Btx.

Bevor es losgeht, ist noch ein wenig Zeit, um sich auf dem Bahnhof in Lovosice umzuschauen...

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DB 189 003" in Lovosice

Eine 189 der Deutschen Bahn mag in Tschechien keine außergewöhnliche Sichtung sein, dennoch zeigt dieses Bild die Viersystemlok in einer Weise, in der man sie in Deutschland nie fotografieren könnte - nämlich (vom Führerstand 1 aus gezählt) mit dem dritten Stromabnehmer für das tschechische Gleichstromnetz an der Oberleitung. In Deutschland wäre die Lok mit dem ersten oder vierten Stromabnehmer unterwegs.

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162 037 mit R 608 "BÍLINA" Praha hl.n. - Cheb in Lovosice

Ein Schnellzug aus Praha von Cheb fährt in Lovosice ein. Noch immer sind bei der Linie über Ústí nad Labem größtenteils klassische Reisezugwagen aus Bautzen im Einsatz, man wird sehen, wie lange noch. Bei der alternativen Linie über Plzeň fahren bereits modernisierte Wagen mit Klimaanlage. Interessant ist die Art der Anschrift der Loknummer an den Stirnseiten, die in dieser Ausführung in kleiner Schrift nicht häufig sein dürfte.

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471 011 als Os 6913 Ústí nad Labem hl.n. - Praha Masarykovo n. in Lovosice

In der Zwischenzeit ist auch der nächste Stadtelefant aus Ústí nad Labem angekommen. Es handelt sich hier bei um einen Triebwagen aus der ersten Serie, der sich optisch ein wenig vom 471 070 (siehe Bild oben) unterscheidet. Generell sind drei Varianten unterscheidbar: 471 001-014 haben unten insgesamt sechs Lampen, das Spitzlicht hat eine eckige Einfassung. 471 015-026 haben unten vier Lampen und ebenfalls noch die eckige Spitzenlichteinfassung. Die übrigen, also 471 027-083, haben unten vier Lampen und eine runde Spitzenlichteinfassung. Der 471 011 trägt seit 2012 eine Sonderlackierung zum seinerzeit 20-jährigen Bestehens des Verkehrsverbundes Pražská integrovaná doprava (PiD, wörtlich übersetzt Prager integrierter Verkehr). Der Berg im Hintergrund ist der 570 m hohe Lovoš, sozusagen der Hausberg von Lovosice.

Nun wird es aber Zeit, Lovosice im 820 auf der Linie T4, dem Středohorský Motoraček (Mittelgebirgstriebwagen), zu verlassen. Zweifellos gehört diese Strecke zu den landschaftlich interessantesten Bahnstrecken in Tschechien und nicht wenige Eisenbahnfreunde waren seinerzeit von der Einstellung des regelmäßigen Verkehrs etwas betroffen. Von Lovosice aus biegt die Strecke zunächst nach Südwesten ab. In Čížkovice zweigt sie von der weiter nach Louny führenden KBS 114 ab und führt nun, sich westwärts schlängend, direkt am Südrand der České středohoří (Böhmisches Mittelgebirge) entlang. Nach Norden gibt es hier und da großartige Aussichten auf diese ehemalige im Tertiär entstandene Vulkanlandschaft und ebenso auch nach Süden in die Ebene, durch welche die Ohře (Eger) ihre letzten Kilometer bis zur Mündung in die Labe (Elbe) am Stadtrand von Litoměřice fließt.

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Blick aus dem Zug vor Třebenice in Richtung der České středohoří (Böhmisches Mittelgebirge)

Der markante Berg auf dem Bild ist der 481 m hohe Košťál, auf dem sich eine Burgruine befindet. Wer will, kann von Třebenice (links ist der Kirchturm zu sehen) dorthin wandern. Zwei Zugpaare befahren die gesamte Strecke, ein weiteres pendelt mittags nur zwischen Lovosice und Třebívlice. Weiter westlich bleibt als Kuriosum der Haltepunkt Sinutec in Erinnerung, besteht dieser doch nur aus einem Bahnsteig, einer Bank und dem Stationsschild mitten im Feld. Bei Obrnice trifft die Bahnstrecke auf jene aus Louny und Žatec, quasi zu dritt geht es dann die letzten Kilometer nach Most.

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440 007 als Os 6835 Most - Děčín hl.n. in Most

Die Pantherfamilie von Škoda hat in der Zwischenzeit Zuwachs bekommen. Neben den dreiteiligen Gleichstrom-RegioPantern (in Tschechien ohne h geschrieben) der Baureihe 440 und den Mehrsystemversionen, dreiteilig die Baureihe 640 und zweiteilig die Baureihe 650, gibt es neuerdings auch eine Fernverkehrsversion, dreiteilig als Baureihe 660.0 und fünfteilig als Baureihe 660.1 bezeichnet, die den Namen InterPanter trägt. Die Mehrsystemtriebwagen trifft in den östlichen Landesteilen Tschechiens an. In Nordböhmen sind die sieben dort vorhandenen 440 im Personenzugverkehr auf den KBS 090 und 130 zwischen Děčín und Kadaň-Prunéřov zu finden. Ein interessantes Detail mag noch sein, dass sich ein Eisenbahnverkehrsunternehmen mit dieser Fahrzeugfamilie vor einigen Jahren (letztendlich erfolglos) für die S-Bahn Nürnberg beworben hat.

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151 008 mit R 608 "SVATAVA" Cheb - Praha hl.n. in Ústí nad Labem hl.n.

Die Alternative zum Regiopanter ist der klassische Schnellzug, mit dem auch heute Ústí nad Labem erreicht wird. Ab hier übernimmt eine 160 km/h schnelle 151 den Zug nach Praha. Die seltene Lackierungsvariante in der ersten Version des Najbrt-Farbschemas mit weißem Rahmen hat außer der 151 008 früher nur noch die mittlerweile in die zweite Version umlackierte 151 027 getragen.

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